Exposé

Vor seiner Emigration in die USA 1938 versteckt ein jüdischer Juwelier das Gros seines Schmuckes im Keller seines Hauses in Berlin-Oberschöneweide. So kommt er einer Enteignung durch die Nazis zuvor.

Ende der 1980er Jahre verliebt sich der Jugendliche MICHAEL in seine Lehrerin GABRIELE, welche 10 Jahre älter ist. Sie erwidert seine Gefühle. Obwohl sie mit VOLKER verheiratet ist, entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Gabriele und ihrem ehemaligen Schüler. Es zeigt sich jedoch immer mehr, dass sie nicht in der Öffentlichkeit zu dieser Beziehung zum Jüngeren steht.

Gabrieles Mann VOLKER arbeitet als Anwalt für den Staat DDR und vertritt diesen in Verkaufsverhandlungen mit jüdischen Immobilieneigentümern. Die DDR-Oberen planen, das alte Oberschöneweide flächendeckend abzureißen und Neubauten zu errichten. Die Stasi möchte, dass er die Falschmeldung lanciert, dass das ganze Oberschöneweide der Gründerzeit auf morastigem Boden steht und abgerissen werden muss. Volker ist im Job frustriert. Privat muss er mit ansehen, dass seine Frau einen ehemaligen Schüler küsst.

Die Tochter des Juweliers DINA entdeckt in den Papieren ihres verstorbenen Vaters Hinweise auf den versteckten Schmuck in Ostberlin. Sie stößt auf THOMAS, von dem sie weiß, dass dieser der Bruder des ostdeutschen Anwalts ist, der die Verkaufsverhandlungen begleitet (nämlich Volker). Sie weiht Thomas ein und verspricht ihm die Hälfte des Schmuckertrages, wenn es ihm gelingt, den Schatz zu überführen. Thomas besucht daraufhin mit vagem Auftrag seinen Bruder Volker in Ostberlin.

Volker sieht sich in einer Sackgasse. Spontan beschließt er, mit der Kleidung und dem Paß seines Bruders in den Westen zu flüchten. Er schreibt eine kurze Notiz mit der Bitte an Gabriele und Thomas, doch mindestens 3 Tage Stillschweigen zu wahren und sich erst dann den staatlichen Organen zu offenbahren. Er glaubt, dass Thomas unbeschadet davonkommt. Es kommt im Laufe der Geschichte nie heraus, ob Volkers Plan aufgegangen ist. Später erfahren Gabriele und Thomas von Dina, dass im Westen kein Volker angekommen ist. Sie müssen befürchten, dass Volker im Gefängnis sitzt.

Eines Abends will Michael Gabriele besuchen, doch er wird von zwei Stasileuten überfallen und in ein Auto gezerrt. Sie drohen ihm, dass, wenn er sich nicht von Gabriele fernhält, diese Schwierigkeiten bekommt.

Aus Angst, Thomas könnte zu viel vom Immobilienbetrug in Schöneweide wissen, möchte die Stasi ihn nicht gen Westen ziehen lassen. Sie drohen ihm wegen angeblicher Beihilfe zur Republikflucht mit Gefängnis: es sei denn, er ist bereit, sich in den Immobilienverhandlungen als Volker auszugeben. Thomas willigt ein.

Jetzt, da Michael Volker im Westen weiß, will er, dass Gabriele und er endlich wie ein Paar wohnen. Es kommt zum Streit, denn Gabriele will nicht, dass er in ihre Wohnung einzieht, auch nicht tageweise. Auch ist Thomas ja jetzt in ihrer Wohnung.

DINA, die nun weiß, dass Thomas direkt Einfluß auf die Geschehnisse nehmen kann, drängt und überredet die West-Eigentümer, dass diese eine Bohrung veranlaßen, um den Boden auf Morast hin zu prüfen. Die Bohrung soll durch eine Westberliner Baufirma durchgeführt werden. Eine davon genau an der Schatzstelle.

Michael und PINO sind Thomas auf der Spur, sie lesen heimlich seine Depeschen an Dina, die Thomas über einen toten Briefkasten übermitteln läßt. Sie legen diese jedoch wieder zurück. Thomas spürt, dass Michael, der jugendliche Geliebte seiner Schwägerin Gabriele, etwas ahnt. Er plant, dass ein West-TV-Team die von Dina initierte Grabung filmt. Durch Zeugen, glaubt er, kann niemand dem Erben des Grundstücks den Schatz streitig machen. Das TV-Team dreht einen Film über Schöneweide und das Industrieviertel. Sie sollen zufällig hinzustoßen. Thomas läßt über DINA Kontakt zum ARD-Haupstadtstudio aufnehmen.

Michael steht vor der Haustür Gabrieles und hört eine lautstarke Auseinandersetzung. Er klingelt Sturm, nach einiger Zeit öffnet sich die Tür und Thomas erscheint. Er gibt Michael einen Kinnhaken und verschwindet aus der Wohnung. Michael erfährt von Gabriele, dass Thomas etwas für sie empfindet und sie bedrängt hat. Thomas hat einen Schlüssel zur Wohnung. Sie fürchtet sich. Michael verlangt von Gabriele, dass sie Thomas rausschmeißt und ihn einziehen läßt und endlich zu ihm steht. Gabriele lehnt trotz leidenschaftlich verbrachter Nacht ab.

Michael hatte bei einem Fotoausflug zwei etwas verwahrloste Männer kennengelernt. Sie wohnen in einem fast leeren Haus am Spreeufer der Wilhelminenhofstrasse. Dorthin zieht er in eine runtergekommene Wohnung. Dazu muss er zur Kommunalen Wohnungsverwaltung, um dies nachträglich sanktionieren zu lassen. Diese lehnt ab. Nach einer Woche jedoch erhält er per Post eine Zusage.

Die Bohrung an der Schatzstelle - genau schräg gegenüber Michaels Wohnung, findet statt: Live dabei das TV-Team. Michael und Pino gehen sofort hinunter zum Geschehen. Sie hatten Tage zuvor ein Transparent gemalt: “Rettet Schöneweide!”, hatten sich jedoch nicht getraut, es aufzuhängen. Sie entrollen es vor laufender Westkamera. Tatsächlich findet die Bohrfirma einen Juwelenschatz.

Die Stasi muss den Schatz an die Eigentümer übergeben. In den Verkaufsverhandlungen drängt die Stasi auf kostenspielige Sanierungsmaßnahmen durch die Eigentümer, die diese nie über Mieteinnahmen ausgleichen könnten. Nach der Bohrung, die zeigt, dass kein morastiger Boden vorliegt, einigen sich die Immobilienbesitzer und die DDR darauf, dass die Grundstücke nicht verkauft werden, wohl aber viele Häuser. Die DDR muss geringe Pacht zahlen. Damit droht der Abriss Schöneweides!

Die Abrissbagger kommen, der Countdown für den Abriss läuft. Michael besucht Gabriele in der Hoffnung, dass auch Thomas da ist. Von ihm will er verlangen, dass er den Betrug aufdeckt. Doch er ist schon seit zwei Tagen nicht mehr da. Gabriele bittet Michael, nichts zu unternehmen, weil die Stasi sonst Volker und Thomas schaden könnte. Doch er will unbedingt die Häuser retten. Er stellt sich gegen Gabriele.

Michael nimmt über den toten Briefkasten Kontakt auf zu DINA, die inzwischen ihren Schatz zugesprochen bekommen hat. Wie kann DINA es zulassen, dass die Häuser Ihrer Nachbarn geschliffen werden? Es ist wie ein zweite Demütigung: erst die Vertreibung und Tod durch die Nazis, jetzt der Abriss der Häuser durch die Kommunisten. Volker war nicht Volker, sondern Thomas. Ein kleiner Formfehler, der aber die Verträge null und nichtig machen könnte. Dina kontaktiert die Immobilienbesitzer. Diese verlangen von Michael erst Beweise. Doch wie soll ein Jugendlicher in der DDR an Informationen kommen? Er bekommt zwei Wochen Zeit.

Michaels Idee: Die West-Eigentümer sollen einen Finderlohn ausrufen für denjenigen, der die Bohrung veranlaßt und durchgeführt hat. Wenn der Finder, nämlich Volker/Thomas, erscheint und sich authentifizieren kann, soll der Verkauf rechtens sein. Kommt er nicht, soll der Verkauf nicht vollzogen werden. Es kommt niemand. Die Eigentümer annulieren mit großem Medienecho den Vertrag und rücküberweisen das Geld vom Immobilienverkauf.

Michael erfährt von Gabriele, dass Thomas untergetaucht ist. Denn Thomas ahnt inzwischen, dass sein Bruder Volker nie im Westen angekommen ist. Gabriele verrät der Stasi nicht, wo Thomas untergekommen ist. Thomas will endlich ein Lebenszeichen seines Bruders Volker hören. Tagsüber streiten Michael und Gabriele, nachts haben sie leidenschaftlich Sex. Noch immer will Gabriele nicht offen zu ihm stehen. Als Michael an einem Sonntagmorgen Gabriele zu einem Ausflug abholen will, öffnet ihm ein unbekannter Mann mit nacktem Oberkörper.

Der Roman läßt das Schicksal von Volker und Thomas völlig offen. Gabriele hat endlich ihr Glück gefunden. Michael muss wirkliches Glück noch finden, und nicht einem vermeintlichen hinterherrennen.

Die Schatzsuche dient als Gerüst für die eigentlichen Themen:

  1. Die erste große Liebe des 19jährigen Helden Michael und seinem Streben, dass Gabriele sich zu ihm auch öffentlich “bekennen” möge.
  2. Der Wessi im Osten: die Außenansicht auf die kleinbürgerliche Diktatur DDR, die keine pure Außenansicht bleibt, da der Antagonist Thomas das Leben eines Ossis führen muss, ohne aufzufallen.
  3. Das Erwachsenwerden und die Freundschaft: wie Michael und Pino ihre Freundschaft in Zeiten des Erwachsenwerdens gestalten.
  4. Schöneweide als quirliges Industrieviertel in den 1980er Jahren.

Der Antagonist Thomas kommt lediglich in zwei Textsorten zu Wort:

  1. Durch kurze Depeschen an Dina über den toten Briefkasten, durchnummeriert.
  2. Durch Stasiberichte an den Führungsoffizier von Volker/Thomas Burkhardt.

Das Pikante: Michael und Pino lesen die Depeschen mit und reflektieren darüber.